Theater der Zeit 09/2009

Editorial
ABSCHIEDE

Auf vielfache Weise sind der Tod und das Theater ineinander verschlungen. Der Tod bildet den Kern jener Formationen des Unaufhellbaren, die das Denken nicht auflösen kann.

Und wo, wie Nietzsche schreibt, der Mensch „zu seinem Schrecken sieht, wie die Logik sich an diesen Grenzen um sich selbst ringelt und endlich sich in den Schwanz beißt“. Hier vollzieht sich im Jenseits der Religion die Geburt des Theaters: „Da bricht die neue Form der Erkenntnis durch, die tragische Erkenntnis, die, um nur ertragen zu werden, als Schutz und Heilmittel die Kunst braucht.“ Der Sommer ’09 brachte gleich mehrere Abschiede von überragenden Künstlern einer Generation, die den Horizont des Theaters wie wenige erschlossen hatten. Die Regiewundertiere Pina Bausch, Merce Cunningham, Jürgen Gosch und Peter Zadek verschwanden von der Bühne wie auch die Schauspielerin Hanne Hiob, Brechts kämpferische Tochter, und der Schauspieler Traugott Buhre. Ein anderer Tod stimmt uns zudem traurig: Der Autor Jochen Berg verstarb im Juni nur 61-jährig. Zu DDR-Zeiten war er zwar über viele Jahre als Hausautor am Deutschen Theater in Berlin beschäftigt, durfte im Osten jedoch nicht gespielt werden, was ihn für das Westtheater in Gestalt von Hansgünther Heyme oder Holk Freytag interessant machte. Er sollte die Wende nicht wirklich überstehen. weiter

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