Was machen eigentlich EMF?

EMF 1992

Als „One-Hit-Wonder“ wird ein Musiker oder eine Band bezeichnet, die einen Single-Hit in den Musik-Charts erreicht, diesem Erfolg dann aber nicht mehr wiederholen kann. EMF waren solch eine Band. Ihr Überhit „Unbelievable“ ist vor kurzem 20 Jahren alt geworden.

Trotzdem ist dieser Song von kaum einer Schüler- oder Studentenparty wegzudenken. Auch im Fernsehen werden dutzende Sendungen damit unterlegt. Gegründet wurde die Band 1989 in der Region Gloucestershire im Südwesten Englands. Die Schulfreunde James Atkin (Gesang), Ian Dench (Gitarre), Derry Brownson (Keyboard), Mark DeCloedt (Schlagzeug) und Zac Foley (Bass) waren zu dieser Zeit eigentlich eher an Parties und Drogen interessiert. Die fünf Musiker wurden von dem Erfolg ihrer ersten Single „Unbelievable“ völlig überrascht. „Wir wollten kurz vor der Veröffentlichung von „Unbelievable“ für zwei Wochen auf Tour gehen“ erinnert sich Ian Dench, „daraus wurden dann sechs Monate “.

Mehr als zwei Millionen Mal verkaufte sich das Debütalbum „Schuber Dip“ in dieser Zeit. Und mit ihr auch der Song, der das Leben der jungen Engländer verändern sollte. In mehr als zehn Ländern landete „Unbelievable“ in den Top 10. Und zur Krönung enterte er die Spitze der amerikanischen Billboard Charts. „Für mich persönlich war es die aufregendste Zeit meines Lebens“, erzählt Schlagzeuger Mark DeCloedt. „Niemand auf der Welt hätte vorhersehen können, dass unsere erste Single so ein großer Hit werden würde. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, in der wir den Song aufgenommen haben. Mit den Jungs abhängen, lachen und nebenbei hart an den Songs arbeiten – das war toll“.

Himmelhochjauchzend – Zu Tode betrübt

Aber bereits mit ihrem zweiten Album „Stigma“ war der Erfolg vorbei. Die Musik von EMF wurde härter, wodurch die Popfans verprellt wurden. „Stigma“ schaffte es so gerade noch in die britischen Top 20.  Die Singles „They Are Here“ und „It´s You“ floppten. „Mich persönlich hat das ziemlich genervt. Ich wollte mehr Hits, aber es funktionierte einfach nicht“, resümiert DeCloedt.

So wurde es 1993 trotz guter Kritiken erst einmal ruhig um die Band. Zwei Jahre später versuchten es EMF wieder mit mehr Pop-Appeal. Ihr drittes Album „Cha Cha Cha“ bestach aber vor allem durch die völlige Ziellosigkeit, mit der die Musiker ans Werk gingen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass weder Fans noch Band das Album wirklich mögen. Die logische Konsequenz war, dass sich die Band nach den beiden abschließenden Songs „Afro King“ und der Monkees-Coverversion „I´m A Believer“, die immerhin ein letzter kleiner Hit wurde, auflöste.

Zuviel von allem

„Wir waren alle ziemlich fertig. Ich selbst hatte einen totalen Zusammenbruch – zuviel Arbeit, zuviel Alkohol und zuviel Drogen. Das war einfach zu stressig“, erinnert sich DeCloedt. Und Dench ergänzt: „Wir bekamen zudem einen riesigen Druck von der Plattenfirma, den Pop-Erfolg zu wiederholen. Das war letztendlich zu viel.“

Wer jedoch denkt, dass die einzelnen Musiker unzufrieden mit ihrem Werdegang sind, der irrt sich. Während DeCloedt für eine große Schlagzeugmarke im Vertrieb arbeitet und den heutigen Rockstars das richtige Equipment verkauft, sind die anderen Bandmitglieder weiterhin musikalisch aktiv. Sänger James Atkin veröffentlichte im Februar eine neue Platte mit seinem Techno-Projekt The Asbo Kid, während Ian Dench als A&R Manager für eine große amerikanische Plattenfirma arbeitet und nebenbei Songs für andere Künstler (u.a. Beyoncé und Jordin Sparks) schreibt.

Dies brachte ihm 2010 immerhin zwei Grammy-Nominierungen ein. Und so klingen seine Schlussworte auch ziemlich versöhnlich. „Ich bin so dankbar für alles, was ich durch „Unbelievable“ erreicht habe. Heute sitze ich den ganzen Tag im Tonstudio. Abends gegen sechs fahre ich dann nach Hause, um meine Frau zu sehen und die Kinder ins Bett zu bringen. Ich bin ein ziemlich glücklicher Mann!“

Weitere Informationen

Offizielle Homepage der Band

Offizielle MySpace Seite von The Asbo Kid

Expertenstimmen Archiv