Wenn Choreographen tanzen

Grell, knapp und wild präsentieren sich die teilweise interaktiven Tanzperformances beim MUFFATdance im Ampere der Muffathalle München. Hier zeigen Münchner Choreographen ihre Arbeit. Eröffnet wird die mehrtägige Veranstaltung von Constanza Macras. Mit dabei auch: Dali Touiti, Angelika Meindl, Stefan Dreher, Anna Konjetzky und Richard Siegal.

Constanza Marcas – utopische Träume aus Südafrika

Die Berliner Choreographin zeigt mit ihrem Tanztheater „The Offside Rules“ die Ungleichheit nach dem offiziellen Ende der Apartheit in Südafrika: Johannesburg als Ort utopischer Träume, in dem die Gesellschaft in ängstliche Reiche und verzweifelte Arme aufgespalten ist. Marcas Performance ist eine Koproduktion mit dem Goethe-Institut Südafrika und dem Market Theatre Johannesburg.

Immer in Bewegung – Dali Touiti

„Sich bewegen, springen, sich beugen, fallen … das ist Sprechen. Sprechen über Mich.“ Der Titel seiner Tanzperformance lautet somit nicht von ungefähr: my body, my blood, my landscape. Für den in Tunis geborenen Künstler ist der Körper ein Original, der mit Bewegung Emotionen, Energie und Leben transportiert. Nach seiner Ausbildung in Frankreich und festen Engagements in Tunis und Kairo, arbeitet Dali Touiti seit 1997 als freier Choreograph und Tänzer. Zahlreiche Tourneen führten ihn nach Asien, Europa und in verschiedene Länder Afrikas.

Angelika Meindl und ArtGenosseN mit Körperritualen

Die Stücke der Choreographin Meindl sind eine Mischung aus zeitgenössischem Tanz, düster melancholischen Bildern und dröhnendem Sound. Mit „body rituals“, einer Trilogie über Körper- und Bewegungsrituale, zeigt sie sich besonders eigensinnig und experimentierfreudig mit einer Vorliebe für das Bizarre und Groteske. Hier lotet sie die Grenze zwischen Trance und Choreographie kompromisslos aus. Für „Im Raum“, den ersten Teil der Trilogie hat der Lichtkünstler Rainer Ludwig einen technisch raffinierten Lichtraum aus 1800 LED-Elementen konzipiert und der Klangkünstler FM Einheit (Einstürzende Neubauten) hat den Soundspace entwickelt. Die Tänzer bewegen sich auf einer Fläche von sechs mal sechs Metern, wobei sich der Raum ständig neu definiert.

Auflösung des Einzelnen – Walking a line von Stefan Dreher

Inspiriert wurde der Künstler von Ferdinand von Schirachs Erzählung „Der Dorn“ und Kleists „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“. Anfangs betreten 20 Tänzer den Raum und ähneln verstreuten Punkten. Dann wird eine Form erkennbar und beginnt sich zu bewegen. Allmählich überlagern sich die Bewegungen der Tänzer mit denen der Zuschauer - auch sie werden Teil der Performance, in deren Mittelpunkt das Ineinanderfließen von Raum, Schrift und Tanz bis zur Auflösung des Einzelnen steht.

Anna Konjetzky – eine Art Sisyphustanz

In „Die Summe der Öffnungen - Ein Tanzstück“ müssen sich die fünf Tänzer ihren Raum gegen alle Widrigkeiten der Architektur erst Zentimeter für Zentimeter erobern. „Ein niemals aufhörender Versuch dem Körper Platz zu schaffen, die Starre der Bühne aufzulösen, den Raum zum Tanzen zu bewegen.“

Erfahrungen von Fremdheit – Richard Siegal

„As If Stranger“ ist der letzte Teil der Trilogie „Stranger“. Gemeinsam mit dem Cellisten Wolfgang Zamistil, kreiert der Ex-Forsythe-Tänzer imaginäre Landschaften, in denen sich Video-, Audio und Textströme mit dynamischen Tanzsequenzen zu einem vielfältigen Ganzen verbinden. In einem interaktiven Konzept wird der Betrachter zudem eingeladen, Siegals Videoprojektion nachzuahmen. Besucher können die Rolle des Tänzers übernehmen, indem in Echtzeit deren Bilder aufgenommen und analysiert werden, bis sie dasjenige des Choreographen ersetzen.

Juwel im Jugendstil

Hinter den Mauern der 1894 erbauten Muffathalle verbarg sich das erste Dampfheizkraftwerk Münchens. 1990 beschloss der Münchener Stadtrat, die denkmalgeschützten Räume zu renovieren und für kulturelle Zwecke zu verwenden. Unterhalb des noch heute sichtbaren Schornsteins befindet sich das Ampere, ein Club und Veranstaltungsraum mit markantem Design. Hier finden Konzerte, Lesungen, Diskussionen und kleinere Performances statt. Mit Muffathalle, Café, Ampere und Biergarten ist es geglückt, an der Isar ein besonderes Kulturbiotop entstehen zu lassen.

Weitere Informationen

Muffatdance 24. Januar bis 2. Februar

Muffatwerk

Ampere Zellstraße 4

81667 München

info@muffatwerk.de

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