Wie Fotografie zur Kunst wurde

Das Kupferstich-Kabinett des Dresdner Residenzschlosses widmet sich noch bis zum 7. März 2011 der Fotografie und ihrem Weg zum Kunstmedium. Die Ausstellung KunstFotografie berichtet von der visionären Idee, dass Fotos mehr sein könnten als die bloße Abbildung der Realität.

Kunst auf Papier

Die Sammlung des Kupferstich-Kabinetts ist eine der bedeutendsten der Welt. Bereits im 16. Jahrhundert begann man in der sächsischen Residenzstadt Zeichnungen und Drucke zu sammeln. Im Jahr 1720 gründete August der Starke ein eigenes Museum, das nicht mehr nur Mittel zur Dokumentation des königlichen Wissenshungers war, sondern einen künstlerischen Anspruch hatte. Bis heute hat sich an diesem Anspruch nichts geändert. Die Bestrebungen, das Kupferstich-Kabinett zu einer international anerkannten Sammlung zu machen, haben gefruchtet. Dies zeigen vor allem die Exponate: rund 515 000 Werke von mehr als 20 000 Künstlern aus acht Jahrhunderten sind inzwischen zusammengekommen. Wichtige Vertreter sind unter anderen Albrecht Dürer, Jan van Eyck, Caspar David Friedrich, Pablo Picasso und Georg Baselitz. Das Kupferstich-Kabinett beherbergt Zeichnungen, Lithografien, Aquarelle, Gouachen, Radierungen und Fotografien.
Letzterer Gattung wird nun eine eigene Ausstellung gewidmet.

Vom Dokument zum Kunstwerk

Dabei machte man sich eine der ältesten fotografischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum zu nutze. Bereits seit 1854 setzte man Fotografie in den Dresdner Museen ein. Man dokumentierte mit ihrer Hilfe die Bestände. Unter der Leitung Max Lehrs begann man 1898 im Kupferstich-Kabinett aber auch damit, Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmedium zu begreifen – ein visionärer Gedanke für die Jahrhundertwende. Kontinuierlich wurden nun zeitgenössische Fotografien gesammelt. Die Ausstellung KunstFotografie gibt einen Überblick über die Entwicklung der frühen Werke bis in die 1930er Jahre.
Neben der bereits erwähnten dokumentarischen Funktion – also der bloßen Abbildung – konzentrierte sich die künstlerische Funktion der frühen Fotografie vor allem auf die motivische Nachahmung der Malerei. Um sich von der Atelierfotografie abzuheben, wagten sich „Piktoralisten“ wie Heinrich Kühn und die Gebrüder Hofmeister in die Natur. Genre-Bilder und Portraits im Stil der Impressionisten entstanden, die romantische Blicke auf das Landleben zeigten. Auch bei der Entwicklung ging man andere Wege. Durch das Gummidruck-Verfahren konnte man mehrere Farben nacheinander auftragen und erreichte einen sanften Aquarell-Effekt.
In den Zwanziger und Dreißiger Jahren begann man mit den spezifischen Eigenschaften des Mediums zu experimentieren, zum Beispiel bei der Motivwahl. Man konnte nun Bewegungen festhalten. Ausdrucksstarke Abbildungen von Tanzenden prägten den Stil der Expressionisten. Auch die Spontanität und Mobilität des Mediums spiegelte sich in den neuen Motiven wieder. Das Bauhaus-Kollektiv arbeitete mit verschiedenen Perspektiven wie Ober- und Untersichten und spontan wirkenden „Schnappschüssen“. Die Mehrfachbelichtung wurde populär und machte es möglich, komplexe Inhalte zu veranschaulichen. László Moholy-Nagy und Hajo Rose gelangen durch Mehrfachbelichtungen und das extreme Spiel mit Licht und Schatten eindringliche Werke, die die künstlerischen Eigenschaften der Fotografie zu nutzen wussten. Durch die Besinnung auf die spezifischen Stärken gelang es der Fotografie schließlich, sich von der Malerei zu emanzipieren.

Das Kupferstich-Kabinett widmet sich mit dieser Ausstellung einem spannenden Thema, das man durchaus noch hätte vertiefen können. Um eine solch komplexe Entwicklung nachzuzeichnen, wären mehr Exponate – vor allem aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren – willkommen gewesen. In Anbetracht der Größe des Ausstellungsraums hat man aber sein Bestes getan, um die Hängung schlicht und geschmackvoll zu halten.

Weiterführende Informationen

KunstFotografie. Emanzipation eines Mediums
Kupferstich-Kabinett im Dresdner Residenzschloss
Taschenberg 2, 01067 Dresden
Öffnungszeiten: täglich 10 – 18 Uhr, Dienstags geschlossen

Ausstellungsvermerk auf der Homepage der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

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