
Erste diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und der Islamischen Republik Afghanistan wurden 1919 aufgenommen. Seitdem besteht eine Zusammenarbeit in mehreren Bereichen wie Politik, Technik, Wirtschaft, Kultur etc.
Deutschland unterstützt den Aufbau Afghanistans nicht nur finanziell, sondern auch technisch und in der Schul-, Universitäts- und Berufsbildung.
Die Botschaft der Islamischen Republik Afghanistan in Berlin wurde im Januar 2007 eröffnet. Aktuell ist Frau Freshta Rahimi Neda die dortige Geschäftsführerin.
Zurzeit leben fast 100.000 Menschen afghanischer Abstammung in Deutschland. Mit 22.000 Mitgliedern ist die Diaspora in Hamburg die größte ganz Europas.
Globe-M: Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihren Werdegang.
Frau Neda: Ich habe Recht und Politikwissenschaften an der Universität von Kabul studiert. Während der Taliban-Herrschaft konnte ich das Land nicht verlassen. Nach dem Sturz des Regimes habe ich in verschiedenen Abteilungen des Außenministeriums gearbeitet.
Globe-M: Haben Sie bereits in anderen Ländern gearbeitet?
Frau Neda: Deutschland ist meine erste Auslandsmission.
Globe-M: Wie sehen Sie Deutschland?
Frau Neda: Deutschland ist ein großartiges Land. Seine Philosophen und Denker haben einen großen Einfluss auf die heutige Gesellschaft. Die Deutschen arbeiten hart und sind aufrichtig. Ich bewundere ihre Arbeitsmoral.
Globe-M: Bitte erzählen Sie uns etwas über die Geschichte und die kulturellen Traditionen Ihres Landes.
Frau Neda: Es ist kaum möglich, die afghanische Geschichte und Kultur in Kürze zu behandeln. Afghanistan ist ein Durchgangsland, hier kreuzen sich Wege, die verschiedene Kulturen und Zivilisationen verbinden. Einerseits profitieren wir vom Erbe alter Zivilisationen, andererseits bereitet die Vergangenheit dem afghanischen Volk eine Reihe von Problemen. Afghanistan wurde von Mächten überrannt, die Zentralasien beherrschen wollten, aber auch aus dem Südosten von asiatischen Völkern. Während der letzten drei Jahrzehnte war Afghanistan eine Art Puffer zwischen den Supermächten.
Die Seidenstraße war nicht nur eine Handelsroute, sondern diente auch dem kulturellen Austausch zwischen Asien und Europa, zwischen Ost und West.
Die besondere geographische Lage von Afghanistan stellt ein klassisches Beispiel für einen „Verknotungsraum“ (Toynbee) dar.
„An der Kreuzung der wichtigsten Verbindungswege gelegen, über die Handel und Güterverkehr erfolgten, war das Land ein Bindeglied zwischen Vorderasien, Indien, Zentral- und Ostasien. Infolge von Handelsbeziehungen, Invasionen und Eroberungszügen nahm Afghanistan jahrhundertelang Elemente aus den Kulturen fremder Völker auf. Dazu zählen die Einflüsse Persiens, des Hellenismus, des indischen Raums und vom 1. bis zum 5 Jahrhundert auch Roms, die bis zu den islamischen Eroberungen im 8. Jahrhundert wirksam waren. Es bildeten sich auch Machtzentren, in denen sich in Wechselwirkung mit den eben erwähnten Kulturströmungen eigenständige Entwicklungen vollzogen. Die künstlerischen Ergebnisse sind daher in ihrer Natur einmalig im Vergleich mit den Zeugnissen benachbarter Kunsttraditionen.“ Quelle: G. Djelani Davary