
Die wechselvolle Geschichte Polens reicht über 1000 Jahre zurück. Mit rund 38 Millionen Einwohnern ist die Republik Polen heute der sechsgrößte Staat der Europäischen Union.
Seit 1989 haben sich die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland zunehmend vertieft. Die Mitgliedschaft beider Länder in EU und NATO sowie gemeinsame Interessen in Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur oder Bildung sind die Grundlage für die freundschaftliche deutsch-polnische Zusammenarbeit.
Vergangenheit und zukunftsorientierte Partnerschaft sind hierbei nicht zu trennen: Die guten Beziehungen zwischen Polen und Deutschland beruhen insbesondere auf der vorbehaltlosen deutschen Anerkennung der Schuld für den Zweiten Weltkrieg.
Globe-M: Erzählen Sie uns bitte über Ihren Werdegang.
Herr M. Prawda: Jahrelang arbeitete ich als Soziologe an der Akademie der Wissenschaften in Warschau. Immer waren dabei die deutsch-polnischen Beziehungen mein bevorzugtes Thema. Einige Jahre nach dem Systemwechsel von 1989 trat ich dem diplomatischen Dienst bei. So kam ich zunächst nach Deutschland und später – als Botschafter – nach Schweden. Seit September 2006 bin ich nun in Berlin. Obwohl Soziologen nicht sehr oft zu Diplomaten werden, glaube ich, dass diese Ausbildung auf manchem diplomatischen Posten nützlich sein kann. Besonders dort, wo die bilateralen Beziehungen zwischen den Staaten und Völkern nicht zu den einfachsten gehören.
Denkt ein Liebhaber klassischer Musik an Polen, fallen ihm sofort die Klavierwerke Frédéric Chopins ein, spricht ein Filmschaffender über polnische Kunst, darf der Oskarprämierte Film „Der Pianist“ von Roman Polanski nicht fehlen und ist von polnischer Literatur die Rede, so wird sicher der Roman „Quo vadis?“ erwähnt, für den Henryk Sienkiewicz 1905 den Nobelpreis bekam. Doch nicht nur polnische Künstler und ihre Werke bleiben im Gedächtnis, auch die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten in Polen ist bemerkenswert und umfasst sowohl Objekte des Mittelalters als auch solche des 20. Jahrhunderts. Wie lebendig und vielfältig die polnische Kulturlandschaft ist, zeigen aber am besten die traditionsreichen und international bedeutenden Festivals, die auch heute noch für jährliche Besucherrekorde sorgen.