
Tadschikistan, mit 143.100 km2 der kleinste der zentralasiatischen Binnenstaaten, grenzt an Usbekistan, Kirgisistan, die Volksrepublik China und Afghanistan. Die Hauptstadt ist Duschanbe mit rund 679.400 Einwohnern. Vorwiegend besteht das Land aus Hochgebirge, wobei der höchste Berg, der Pik Ismail Somoni, 7.495 Meter misst – lediglich 7 Prozent der Staatsfläche liegen unterhalb von 1.000 Meter.
Seit 1994 ist Tadschikistan eine Präsidialrepublik mit eigener Verfassung, dessen Parlament, Madschlisi Oli, 96 Abgeordnete umfasst. Am 9. September 1991 erlangte der Staat die Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Die sieben Millionen Einwohner setzen sich aktuell zu 80 Prozent aus Tadschiken, zu 15 Prozent aus Usbeken und zu 5 Prozent aus anderen Minderheiten wie Russen, Kasachen, Kirgisen, Turkmenen und Deutschen zusammen.
Am 2. März 1992 wurde Tadschikistan Mitglied der Vereinten Nationen und später auch der UNESCO und des internationalen Währungsfonds. Wirtschaftliche Kontakte und friedenssichernde Maßnahmen werden sowohl mit Europa durchgeführt als auch als Mitglied der Organisation der Islamischen Konferenz.
Globe-M: Herr Sattorov, vielen Dank, dass Sie Zeit gefunden haben, uns in der neuen tadschikischen Botschaft in Berlin-Moabit ein Interview zu geben. Könnten Sie unseren Lesern einige Informationen zu Ihrem Land geben, vor allem zu der gegenwärtigen Situation der Kultur in Tadschikistan?
Herr Sattorov: Seit 1991 sind wir unabhängig und dabei, unsere wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu stärken. Wir haben zu allen Ländern der Region sehr gute Beziehungen. Seit 1994 haben wir eine eigene Botschaft in Deutschland. Unsere wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Deutschland sind gut. Die Übergangsperiode nach der Unabhängigkeit war schwer, wir hatten Bürgerkrieg in Tadschikistan. Seit 1997 herrscht Frieden in unserer Heimat. Und wir verzeichnen in allen Bereichen schon sehr positive Resultate. Allerdings haben wir auch Probleme beim Aufbau unseres neuen unabhängigen Staates. So müssen wir ein neues Wirtschaftssystem implementieren.Tadschikistan war 70 Jahre ein Teil der Sowjetunion, viele unserer Spezialisten wurden dort an den Fachschulen und Universitäten ausgebildet. Wir haben auch viele bekannte Künstler in unserem Land, zum Beispiel Filmregisseure. Studio Tadschikfilm war eines der besten Filmstudios während der Sowjetzeit. Trotz der schwierigen Situation nach dem Zerfall der Sowjetunion hat unsere Regierung versucht, unsere Künstler zu unterstützen. Die Welt ist jetzt offen für unsere Künstler, sie haben mehr Möglichkeiten als früher, und arbeiten und zeigen ihre Kunst weltwelt.
Einige der weltberühmten tadschikischen Zentren spielen in der Geschichtensammlung „1001 Nacht“ eine bedeutende Rolle. Fragt man allerdings nach der genauen geografischen Lage Tadschikistans, werden nur wenige auf Anhieb Bescheid wissen. Bis zur Unabhängigkeitserklärung am 9. September 1991 führte die damalige Sowjetrepublik eher ein Schattendasein im äußersten Süden der UdSSR.
Allerdings haben die Tadschiken und die persische Kultur das Bild des Orients geprägt. Hier findet man neben Spuren des Zoroastrismus, Buddhismus und des frühen Christentums auch archäologische Überreste aus der Zeit von Alexander dem Großen. Marco Polo durchquerte diese Gegend auf der alten Seidenroute nach China.