
Mein goldenes Bengalen, ich liebe dich.
Dein Himmel, deine Melodie bringt mein Herz auf ewig zum Singen
als wäre es eine Flöte.
Mit diesen gefühlvollen Worten beginnt die Nationalhymne der Volksrepublik Bangladesch. Gedichtet und komponiert wurde sie von Rabindranath Tagore, dem großen bengalischen Dichter und Nobelpreisträger für Literatur. Seine Verse beschreiben den Duft der Mangohaine, reiche Reisfelder und üppig blühende Flussufer. Und in der Tat: Hinter dem Image eines stets von Orkanen und Überschwemmungen gepeinigten Landes verbirgt sich ein prachtvolles und fruchtbares Stück Erde mit einer langen und wechselvollen Geschichte und einer Vielfalt von Kulturen und Traditionen.
Bangladesch war bis 1947 als Ostbengalen ein Teil Britisch-Indiens. Nach dem Ende der Kolonialherrschaft wurde es aufgrund der überwiegend muslimischen Bevölkerung dem neu gegründeten Pakistan zugeteilt. Erst Ende 1971 erlangte das Land seine Unabhängigkeit. Als einer der ersten europäischen Staaten erkannte die Bundesrepublik Deutschland bereits im Frühjahr 1972 Bangladesch diplomatisch an.
Globe-M: Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihren Hintergrund!
Herr Tarik Ahsan: Viel kann ich nicht über mich erzählen. Ich bin Berufsdiplomat und seit 18 Jahren im diplomatischen Dienst. Meine Schulzeit habe ich in Bangladesh verbracht. Danach absolvierte ich ein Studium am Institut für Sozialwissenschaften in den Niederlanden und arbeitete anschließend bei verschiedenen diplomatischen Vertretungen unseres Landes. Derzeit leite ich die Botschaft stellvertretend, da wir momentan keinen Botschafter in Berlin haben.
Globe-M: Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Deutschland und anderen Ländern?
Herr Tarik Ahsan: Als Diplomat war ich in drei verschiedenen Staaten – USA, Saudi Arabien und Indonesien. Indonesien und Saudi Arabien unterscheiden sich sehr von Deutschland, vor allem was das Klima und die Gesellschaft betrifft. Saudi Arabien ist sehr heiß, die Bevölkerung ist konservativ. Hier in Deutschland ist es sehr kalt, die Menschen sind freizügig. Indonesien hat ein feuchtwarmes Klima mit großem Artenreichtum. Gesellschaftlich ist es sehr unterschiedlich zu Deutschland. Interessant sind die feinen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland, beide Länder sind ja westliche Industriestaaten. Der Hauptunterschied ist meiner Ansicht nach, dass die Vereinigten Staaten ein kapitalistisches Land sind, während Deutschland ein Sozialstaat ist. Folglich ist das Leben in den USA dynamischer, in Deutschland ist es vorhersehbarer. Die Vereinigten Staaten sind eine multikulturelle Nation, im Vergleich dazu ist die Gesellschaft in Deutschland sehr homogen. Vielleicht, weil Deutschland nie ein Einwanderungsland oder eine Kolonialmacht war.
Obwohl Bangladesch zu den bevölkerungsreichsten Ländern weltweit gehört und mit mehr als 1.000 Menschen pro Quadratkilometer der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Erde ist, existieren hier noch gänzlich unberührte Naturlandschaften, die von unzähligen Wasserläufen des Deltagebiets der Flüsse Brahmaputra, Ganges und Meghna genährt werden. Die Sundarbans sind die größten Mangrovenwälder der Erde. Ihre artenreiche Fauna und Flora, darunter der vom Aussterben bedrohte Königstiger und der nur hier vorkommende Sundari-Baum, gehören seit 1987 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Der ethnisch relativ einheitliche Staat der Bangladeschi, die zu 90 Prozent Moslems sind, weist mannigfaltige Zeugnisse verschiedener Kulturen und Traditionen auf, die in der viele Jahrtausende alten Geschichte der Region verwurzelt sind. Die meisten der heute zu bestaunenden Architekturdenkmäler wurden zur Zeit des großen Mogulreiches (16.-18. Jahrhundert) errichtet. 1608 erwählten die Großmoguln das spätere Dhaka zum Sitz eines Vizekönigs, worauf hier das mächtige Fort Lalbagh, Paläste und Moscheen erbaut sowie prachtvolle Gärten angelegt wurden. Heute stehen in der ungebremst wachsenden 13 Millionen-Metropole mehr als 800 Moscheen. Fanatischer Islamismus ist den sunnitischen Bangladeschis jedoch fremd.