Interview

Aus Liebe zum Glas

Barbara König | 08.02.2012

Die hellen wie auch die dunklen Aspekte der Liebe werden in der Ausstellung „In the Name of Love“ der Alexander Tutsek-Stiftung in München beleuchtet. Ungewöhnlich daran ist das verwendete Material der Künstler: Glas in Kombination mit vielfältigen anderen Gegenständen.

Zeitgenössisches Glas

In einer Schwabinger Jugendstilvilla richtet die Alexander Tutsek-Stiftung die Ausstellung aus. 26 Künstlerinnen und Künstler zeigen dort 30 Objekte, die sich alle mit dem Thema Liebe auseinander setzen. Der Mensch sehnt sich seit Urzeiten danach, Liebe und Liebesleid in der Kunst erfahrbar zu machen. Literatur, Musik, Malerei und Skulptur zeugen von diesen ewigen Versuchen. Doch jetzt wird auch Glas als Medium verwendet. Das Material hat eine interessante Entwicklung durchlaufen: Skulpturen zu abstrakten Themen sind an die Stelle von Schalen oder Vasen getreten.

In the Name of Love

Glas in Kombination mit ungewöhnlichen Materialien wie beispielsweise Ästen, Stoffen, Fotografien oder Drahtgeflecht zeichnen diese ungewöhnliche Ausstellung aus. Unter dem Thema „In the Name of Love“ machen internationale Künstler mit ihren aktuellen Glasskulpturen Liebe und Liebesleid teils sinnlich und poetisch, teils frech und provozierend erfahrbar. Zur Ausstellung ist außerdem ein aufwändig fotografierter Katalog erschienen, der auch denjenigen die Chance gibt, die Ausstellung hautnah zu erleben, die nicht nach München kommen können.

Glas in der Kunst

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Material Glas zu einem interessanten Bereich für die Kunst entwickelt, indem subtile, abstrakte, und transzendente Themen aufgegriffen werden, die mit anderen Materialien so kaum auszudrücken sind. Ein Beispiel sind die zweckfreien Vasen von Emile Gallé oder Daum. Mit der Studioglasbewegung, die 2012 ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, hat das Material Glas eine dramatische Veränderung erfahren: weg von dekorativen, gebundenen Formen wie Vasen oder Schalen, hin zu vieldeutigen Aussagen. Das Medium Glas hat sich so zumeist unbemerkt zu einem eigenständigen Bereich in der Kunst entwickelt.

Die Facetten der Liebe

Es gilt die hellen, aber auch dunklen Seiten der Liebe zu erspüren, wie bei dem aus vielen Teilen zusammengenähten Flügel der jungen Kanadier Tanya Lyons & Mathieu Grodet. Sie vermitteln die Hochstimmung der Liebe, lassen aber auch an die Gefahr denken, sich zu verbrennen. Die Künstler demonstrieren in emotionalen eindringlichen Arbeiten die grausame Macht der Liebe, Herzen zu zerstören (Ariane Forkel) oder gar herauszureißen (Simone Fezer). Das nebeneinander stehende glatt geschliffene Paar von Franz X. Höller lässt deutlich werden, dass Kompromisse die Partnerschaft formen. Außerdem sind die Zuneigung von Geschwistern oder die spezifische Liebesbeziehung zwischen Mutter und Kind vorherrschende Themen. Lino Tagliapietra beschäftigt sich mit der Liebe zur Heimat in Form von tiefgründig farbigen Reflektionen im Wasser Venedigs.

Alexander Tutsek-Stiftung

In Deutschland haben Künstler kaum ein Forum für Glaskunst und es gibt nur wenige Möglichkeiten, diesen Bereich der Kunst kennen zu lernen. Ziel der Alexander Tutsek-Stiftung ist es mit regelmäßigen Ausstellungen von zeitgenössischen Skulpturen aus Glas, dem Ausbau einer international angelegten Sammlung, sowie der Förderung von Aus- und Weiterbildung von Künstlern einen größeren Kennerkreis für das Glas der Gegenwart zu erschließen. Seit 2008 ist zudem die moderne Fotografie ein weiterer Schwerpunkt. Die Stiftung wurde im Dezember 2000 von Alexander Tutsek und seiner Frau Dr. Eva-Maria Fahrner-Tutsek gegründet. Sie hat ihren Sitz in einer denkmalgeschützten Jugendstilvilla in München-Schwabing.

Weitere Informationen

In the Name of Love 7. Februar bis 7. November 2012

Dienstag und Mittwoch 10.00 – 14.00 Uhr,Donnerstag 14.00 – 17.30 Uhr

Alexander Tutsek-Stiftung

Karl-Theodor-Str. 27

80803 München

Tel.: 089-343856

E-Mail: info@atutsek-stiftung.de

 

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