Kulturnachricht : Archiv

Oscar Niemeyer - Das Leben ist ein Hauch

Justinus Pieper | 26.01.2010

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Mondadori - Zentrale

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Oscar Niemeyer ist ein ziemlich unprätentiöser Architekt.
Der gleichnamige Film über ihn ist mit leichter Hand inszeniert.

In diesem Film wird von der ersten bis zur letzten Minute (insgesamt 85) Portugiesisch brasilianischer Spielart gesprochen. Damit das auch hiesige Kinobesucher verstehen, gibt es deutsche Untertitel. Der Film macht Spaß, ist kurzweilig. Das liegt an seinem hintergründigen Hauptdarsteller.
Oscar Niemeyer in seinem Büro, Oscar Niemeyer vor seinem Museum, Oscar Niemeyer vor seiner Villa. Seine Begeisterung für geschwungene Linien zeigt sich in den Schwarzweißphotos schöner Frauen über seinem Schreibtisch wie in vielen seiner Bauten.

Niemeyer beherrscht aber auch den rechten Winkel: Das UNO-Hochhaus in New York stammt federführend von ihm – und nicht von Le Corbusier. Der hat von Niemeyers Blitz-Entwurf das allermeiste übernommen. Er war der Ältere. Niemeyer sah und sieht das völlig uneitel.

Seine politische Haltung ist unverändert: Nach wie vor darf er nicht in die USA einreisen. Das scheint etwas Persönliches zu sein, auch für die andere Seite.

Die besondere Aufbau- und Aufbruchstimmung in Brasilia vermittelt der Film ebenfalls sehr gut. Groß waren die Hoffnungen, als Niemeyer von Präsident Juscelino Kubitschek in den 50ern mit der Planung der neuen Hauptstadt Brasilia beauftragt wurde. Sie entstand mitten im Dschungel, dafür aber in der Mitte Brasiliens.
Niemeyer und bis dato arbeitslose, befreundete Kollegen, die er sympathischerweise ebenfalls in dem Projekt unterbrachte, machten sich mit Enthusiasmus und Bienenfleiß an ihre neue Aufgabe: Für den Aufbau einer neuen Gesellschaft, für ein neues Brasilien! Besonderer Ausdruck dieses neuen Brasiliens sollten die Regierungsgebäude der neuen Hauptstadt sein – und das Feeling, das sie vermitteln, auch durch den Platz zwischen den Gebäuden: die luftige Stimmung, die offene Atmosphäre. Aufbruch zur Aufklärung, Aufbruch in die humane Moderne. Im Flieger von Rio nach Brasilia gibt der Baumeister einem besorgten Militär ein Beispiel für seinen trockenen wie schlagfertigen Humor: "Aber mein lieber Niemeyer, wo wir einziehen, das ist dann nicht so was schrecklich Modernes?" Darauf Niemeyer: "Wenn Sie im Krieg sind, haben Sie doch auch lieber eine moderne Waffe als eine alte, oder?"

Nach dem Militärputsch 1964 wurde Niemeyer ins Exil gedrängt. Ihn zu verhaften hatten die Putschisten nicht gewagt. Niemeyer ging nach Nordafrika, baute in Algerien, dann in Italien. Dort entwirft er für den schwerreichen Chef der gleichnamigen Verlagsgruppe Mondadori, Arnoldo Mondadori, die Firmenzentrale mit unregelmäßiger Pfeilerarchitektur.
Wenn man den Wald sieht, sieht man nicht nur die Bäume, zitiert Niemeyer Rainer Maria Rilke, sondern auch das Dazwischen.  Auf die Zwischenräume kommt es eben an, auch auf die Räume zwischen Pfeilern und Streben an der Mondadori-Zentrale.
Der italienische Verleger ist zufrieden und beauftragt den Rastlosen gleich noch mit dem Bau seines Privathauses.

Niemeyer ist eigenwillig. Und er ist unbestechlich.
Niemeyer kann sich aufregen. Ein Kollege hat ihn einmal für eine Villa gelobt, mit einer Einschränkung: Man könne das Haus nicht in Serie bauen! Natürlich nicht – es passt perfekt in seine Umgebung – und damit habe es doch seinen Zweck zu hundert Prozent erfüllt!

Niemeyer ist sich treu geblieben. Er war und ist Sozialist, er hasst Typen wie George W. Bush, und er liebt noch immer die Frauen, denen er in so vielen seiner geschwungenen Bauten ein ums andere Mal ein unsterbliches Denkmal gesetzt hat.
Mit 99 hat er zum zweiten Mal geheiratet. Heute ist er 102.
Sein Fazit nimmt nicht wunder: Das wichtigste im Leben sind allein „Die Frauen“. Sonst Nichts.

 

Oscar Niemeyer – Das Leben ist ein Hauch
Regie: Fabiano Maciel

1h25, ohne Altersbeschränkung

Wo?

Babylon – Mitte
Rosa-.Luxemburg-Str. 30
10178 Berlin
19.00

Thalia
Rudolf-Breitscheid-Str. 50
14482 Potsdam
17.00

 

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